4 Power-Tools für starke Kinder

4 Power-Tools für starke Kinder

Es gibt Menschen, denen scheinbar alles leicht fällt. Voller Gelassenheit gehen sie durch das Leben und auch belastenden Situationen, begegnen sie mit Positivität und Stärke. Du kennst es vermutlich auch aus deinem eigenen Umfeld, das Menschen sehr unterschiedlich mit Alltagssituationen, Schicksalsschlägen oder auch Konflikten umgehen. Dieses Phänomen nennt sich Resilienz.

Es handelt sich dabei, um unsere innere Widerstandsfähigkeit. Die Kraft in uns, die uns die Stärke und den Optimismus schenkt, auch schwierige Situationen bewältigen zu können.

Die eigene Resilienz kann in jedem Alter gestärkt werden. Doch wesentliche Bausteine für ein stabiles Lebensgerüst, bilden sich bereits in der Kindheit. Wenn Kinder in frühen Jahren ein positives Selbstbild von sich entwickeln können, wird sie dies in ihrem weiteren Leben stärken.

Ein bedeutsamer Punkt dabei ist, welche Beziehungserfahrungen, Kinder mit anderen Menschen sammeln. Kinder brauchen Beziehungen und menschliche Bindungen. Denn sie geben ihnen Sicherheit, Geborgenheit und Verlässlichkeit. Erfahren Kinder stabile und liebevolle Beziehungen, geben ihnen diese Erlebnisse emotionalen Halt. Wenn Kinder spüren, dass sie mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen wahrgenommen werden, entwickeln sie Vertrauen in sich und ihr Umfeld.

Doch wie können wir Kinder darin unterstützen, sich zu starken, selbstbewussten und empathischen Persönlichkeiten zu entwickeln?


Ich sehe dich

Kennst du die Situation, dass dein Kind scheinbar alles dafür macht, um deine Aufmerksamkeit zu erhalten? Was genau Kinder in solchen Situationen machen, kann sehr unterschiedlich aussehen. Hinter diesem Verhalten, steht allerdings zu meist der Wunsch wahrgenommen zu werden. Und wenn wir ganz ehrlich zu uns selbst sind, dann geht es uns Erwachsenen oft ähnlich. Wenn wir das Gefühl haben, mit unseren Bedürfnissen „nicht gesehen“ zu werden, dann zeigen auch wir zumeist eine Reaktion. Es kann sein, dass du dich ärgerst oder streitest und vielleicht entscheidest du dich sogar dafür, den anderen Menschen eine Weile zu ignorieren. Wie reagierst du, wenn du das Gefühl hast, dass deine Bedürfnisse nicht wahrgenommen werden?

Kinder fühlen sich wie Erwachsene davon verletzt, wenn wir wesentliche Bedürfnisse nicht sehen. Dabei schleichen sich in unseren Alltag oft Verhaltensweisen ein, die uns gar nicht bewusst sind. An dieser Stelle, darfst du gerne einmal genauer hinsehen.



Unser Leben ist schnelllebig geworden. Wir machen mehrere Dinge gleichzeitig und verlieren dabei schnell die Achtsamkeit für den Moment. Wende dich deinem Kind ganz bewusst zu, wenn es dir etwas erzählen möchte. Begegne deinem Kind auf Augenhöhe und zeige ihm dadurch: „Ich sehe dich und deine Bedürfnisse.“

 

Ich höre dich

Kinder haben viel zu erzählen, denn sie erleben auch viel. Jeder Tag ist wie ist ein neues Abenteuer, voller neuer Erfahrungen. Es ist wunderbar, wenn dein Kind dir von seinem Tag erzählt, denn das bedeutet, dass es dir vertraut und dich an dem teilhaben lassen möchte, was für ihn wichtig ist.

Nehme dir die Zeit und höre ganz bewusst zu, was dein Kind dir erzählt. Wenn dein Kind begeistert von der grandiosen Sandburg berichtet, die es gebaut hat, erscheint das in der Erwachsenenwelt eventuell als „belanglos“. Doch für dein Kind, ist diese Sandburg etwas ganz besonderes, die es mit viel Mühe, Ideen und Ausdauer erschaffen hat. Lass dir alle Details erzählen und lasse dich von der Begeisterung deines Kindes anstecken. Zeige deinem Kind, dass all seine Gedanken und Erzählungen wichtig sind. Denn dann fühlt es sich gehört und angenommen.

Manchmal gibt es aber natürlich auch Situationen, in denen du gerade leider nicht die Zeit hast, in Ruhe allen Schilderungen zu lauschen. Dann erkläre deinem Kind: „Gerade kann ich dir leider nicht so zu hören, wie ich es gerne möchte. Wir fahren jetzt nach Hause und dann kannst du mir sehr gerne von deiner tollen Sandburg erzählen.“

In gemeinsamen Gesprächen, erfährst du mit welchen Themen dein Kind sich gerade beschäftigt, aber vor allem zeigst du deinem Kind: „Es interessiert mich, was du denkst, welche Ideen du hast und was du mir erzählst. Ich höre dir gerne dabei zu.“

 

Ich traue es dir zu

Die Pädagogin Maria Montessori sagte:“Hilf mir es selbst zu tun.“ Doch was bedeutet das?

Kinder haben eine große Freude daran, neues zu erleben und zu lernen. In dem Moment, in dem sie geboren werden, beginnen sie damit die Welt und das Leben zu erkunden.

Vor allem Kleinkinder zeigen uns oft sehr deutlich, wie groß ihr Wunsch ist, Dinge eigenständig auszuprobieren. Besonders bei sehr jungen Kindern, neigen wir Erwachsenen oft dazu, ihnen diese wichtigen Entwicklungsaufgaben abzunehmen, weil wir es eilig haben oder es einfacher ist. So hören Kinder oft Sätze wie: „Ich ziehe dir den Schuh an, dann können wir schneller gehen.“ Das ist von Herzen gut gemeint, es nimmt dem Kind allerdings die Möglichkeit, es selbst zu lernen. Es frustriert sehr viele Kinder, wenn ihnen nicht die Möglichkeit gegeben wird, eigene Erfahrungen sammeln zu dürfen und sie reagieren darauf oft mit Wut oder Traurigkeit.

Kinder zeigen uns in diesen Momenten etwas Wunderbares. Nämlich ihren Wunsch nach Eigenständigkeit. Kinder sind neugierig und wollen verstehen, wie etwas funktioniert. Am besten lernt mal allerdings, wenn man es selbst ausprobieren darf.

Vor allem bei sehr jungen Kindern können Situationen entstehen, die uns als Erwachsene, ängstlich werden lassen. Wenn ein Kind alleine die Banane schneiden möchte, du dir aber Sorgen wegen des scharfen Messers machst, dann biete deinem Kind eine Alternative an. Begleite dein Kind in der Situation und erkläre, dass das gewählte Messer zu scharf ist und du dir Sorgen machst, dass das Kind sich verletzt. Aber biete deinem Kind ein anderes Messer an. „Du kannst sehr gerne mit diesem Messer die Banane schneiden. Ich werde mich neben dich setzen und dich unterstützen, falls du meine Hilfe brauchst.“

Wenn Kinder älter werden, entdecken sie immer stärker ihre eigenen Interessen. Das ist etwas großartiges, denn dadurch lernen sie nicht nur selbst besser kennen, sondern erleben auch, dass sie sich viele neue Fähigkeiten aneignen können. Unterstütze und bestärke dein Kind, wenn es etwas eigenständig ausprobieren möchte.

Für Kinder ist es ein beflügelndes Gefühl, wenn sie spüren, dass Erwachsene sie ernst nehmen und sie auf ihrem Entwicklungsweg begleiten. Denn dadurch zeigen wir Kindern: „Ich traue es dir zu, neue Erfahrungen zu sammeln. Wenn du mich brauchst, stehe ich dir zur Seite.“

 

 

Ich bin für dich da

Kinder brauchen feste und sichere Beziehungen. Nehme dir ganz bewusst Zeit für dein Kind. Im Englischen, gibt es dafür den wunderbaren Begriff der „Quality Time.“ Überlegt euch gemeinsam, wie ihr diese wertvollen Momente, miteinander verbringen möchtet. Ohne Ablenkungen, nur du und dein Kind. Einfach schöne Augenblicke, die ihr gemeinsam als Familie erlebt. Welche Ideen hat wohl dein Kind dazu?

Gemeinsam füreinander Da-zusein, fühlt sich für euch alle gut und schön an, zudem stärkt es dein Kind in seinem Ur-Vertrauen. Wenn Kinder spüren, dass sie Verlässlichkeit, Liebe und Geborgenheit erfahren, dann erleben sie auch Vertrauen. Vertrauen zu ihrem Umfeld, aber vor allem Vertrauen in sich selbst. Das sogenannte Selbst-Vertrauen.

Liebe, Geborgenheit und Vertrauen geben Kindern das Gefühl von Sicherheit. Wenn Kinder eine gute Beziehung erleben, dann ist dies die grundlegende Basis, um auch alle weiteren Entwicklungsschritte gut meistern zu können. Fühlen Kinder sich angenommen, gesehen und sicher, dann trauen sie sich zu, ihre Gefühle zu benennen und öffnen sie sich mit ihren Gedanken, Bedürfnissen und Wünschen. Stehe deinem Kind als liebevoller Begleiter zur Seite und zeige einem Kind damit: „Egal was passiert, ich bin immer für dich da.“

Wie sehen deine Power-Tools aus? Was möchtest du deinem Kind gerne mit auf den Weg geben? Schreibe es mir gerne in die Kommentare, um auch anderen Eltern wertvolle Impulse zu geben.  

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Claudia

    Liebe Petra,

    danke für diesen schönen Artikel! Genau das brauchen Kinder und wie oft habe ich es in meinem beruflichen Alltag (Ergotherapeutin) schon gesehen, dass ihnen genau das fehlt.
    Wir können es uns nur jeden Tag ins Bewusstsein rufen – die Kinder spiegeln uns soviel Liebe und Aufmerksamkeit wieder, wenn wir ihnen das zuerst schenken.
    LG Claudia

  2. Maria

    “Hilf mir es selbst zu tun”
    Eines der prägendsten Sätze meiner Ausbildung.
    Wie gerne hätte ich M. Montessori, E. Hengstenberg und E. Pikler genauso wie S. Scholl und J. Korczak persönlich kennen gelernt – vielleicht nicht gerade in der jeweiligen Zeit

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