Sind wir schon da?

Sind wir schon da?

Die Sommerferien stehen für der Tür. Dieses Jahr entscheiden sich viele Familien, aufgrund der Covid-19 Pandemie, mit dem Auto zu verreisen. Doch eine mehrstündige Fahrt kann die Urlaubsstimmung auch schnell trüben. Hitze, Stau und lange Strecken auf der Autobahn, können wahre Stressfaktoren werden.

Ich habe neun Impulse zusammengestellt, damit ihr als Familie entspannt in den Urlaub starten könnt:

 

1. Zeitempfinden von Kindern

Mit Beginn des Grundschulalters entwickeln Kinder ein erstes Verständnis für Uhrzeiten. Doch wie lange sind zwei Stunden?

Auch wir Erwachsenen kennen die Situation, dass Zeit sich sehr unterschiedlich anfühlen kann. Wenn wir begeistert bei der Sache sind, verfliegen die Stunden. Sitzen wir im Wartezimmer beim Arzt, scheint die Uhr hingegen stehen zu bleiben. Zeitempfinden hat also durchaus auch etwas mit Gefühlen zu tun.

Kinder sind mit ihrem Empfinden im Augenblick. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass Kinder sich bei einer Autofahrt immer wieder erkundigen, wann das Ziel denn erreicht ist. Sie benötigen diese Information, für ihre Orientierung.

Antworte deinem Kind immer wahrheitsgemäß. Wenn die Fahrt noch drei Stunden dauert, dann benenne genau diesen Zeitraum. Kinder möchten mit ihren Fragen ernst genommen werden, denn dann können sie lernen und neue Erfahrungen sammeln.

Helfe deinem Kind dabei ein Zeitempfinden zu entwickeln und erkläre die Uhr. Gebe zusätzliche Orientierungshilfen in dem du sagst:

„Das Hörspiel dauert eine Stunde, wenn die Geschichte zu Ende ist, sind wir da.“

 

2. Erstelle eine Liste

Setze dich im Vorfeld mit deinem Kind zusammen und bespreche, dass ihr mit dem Auto in den Urlaub fahren werdet. Frage dein Kind, ob es Ideen hat, was es während der Autofahrt machen möchte:

 

Gibt es Spiele oder Lieder, die dein Kind besonders gerne mag?

Hat dein Kind eine Lieblingsgeschichte, die es gerne hört?

Welches Spielzeug, sollte auf jeden Fall dabei sein?

 

Gestaltet zusammen eine „Das machen wir im Auto-Liste“ und schreibt all eure Ideen auf. Welche Materialien benötigt ihr? Packt alles zusammen, was ihr braucht. Die erste wichtige Tasche für den Urlaub ist somit gepackt.

 

 

3. Zeit für Geschichten

Eine Autofahrt bietet eine wunderbare Möglichkeit, der Fantasie freien Lauf zu lassen.

Kinder sind tolle Geschichten-Erzähler. Lasse dich von deinem Kind verzaubern. Im Alltag gibt es oft wenige Möglichkeiten, sich voll und ganz der fantasievollen Welt der Kinder zu widmen. Während einer langen Autofahrt, kannst du dich entspannt zurück lehnen und den Abenteuern lauschen, die dein Kind dir erzählt.

Wechselt auch gerne die Rollen. Kinder lieben es sehr, wenn Erwachsene ihnen Geschichten erzählen. Mache dir dabei nicht zu viele Gedanken, lasse deine Worte einfach fließen. Dein Kind wird es genießen dir zu zuhören. In solchen Momenten können wertvolle Erinnerungen entstehen. Kannst du dich noch an die Geschichten erinnern, die dir als Kind erzählt wurden?

 

4. Singe, spiele, lache

Nicht nur Geschichten haben etwas magisches, sondern auch das Singen.

Singen beruhigt nicht nur, es macht auch glücklich. Ich möchte dich dazu einladen, dich einfach zu trauen und du wirst schnell merken, wie viel Spaß es macht. Singt eure eigenen Lieder oder dreht das Autoradio auf. Es geht nicht darum, immer den richtigen Ton zu treffen. Es geht um die Freude am Tun, ohne nachzudenken, einfach zu singen. Fühl dich frei und genieße.

Vielleicht habt ihr aber auch Lust, auf ein gemeinsames Spiel. Es gibt im Internet unzählige Inspirationen für Autospiele oder ihr erzählt euch eure Lieblingswitze, denn es gibt nichts das mehr entspannt, als zu Lachen.

 

5. Genieße die Pausen

Als Erwachsener möchte man möglichst schnell am Ziel ankommen. Lieber die Strecke durchfahren, als zu viel Zeit zu verlieren. Kinder brauchen allerdings wesentlich mehr Pausen. Langes Sitzen ohne Bewegung, ist für Kinder sehr anstrengend.

Von daher fahre regelmäßig den Parkplatz an. Nach einer Weile im Auto, ist es für Kinder unglaublich befreiend, wenn sie eine Runde rennen und springen dürfen. Besucht den nächsten Spielplatz und macht es euch bei einem Picknick gemütlich.

Denke daran, du bist bereits im Urlaub. Du hast Zeit und darfst sie dir nehmen. Gönne dir auch schon bei der Hinfahrt schöne Auszeiten. Die Pause wird sowohl deinem Kind, als auch dir gut tun.

 

6. Wie geht es Dir?

Kinder sitzen in einem Auto hinten. Wie du vermutlich aus eigener Erfahrung weißt, hört man auf der Rückbank nicht besonders gut, was vorne gesprochen wird. Man ist also ein bisschen außen vor, von dem ganzen Geschehen.

Bleibe im Kontakt mit deinem Kind. Frage immer wieder nach dem Befinden:

Wie fühlst dich? Brauchst du etwas?

Wechsel deinen Sitzplatz und setze dich zu deinem Kind auf die Rückbank. Dein Kind wird deine Nähe genießen. Denn jetzt ist Zeit zum Kuscheln, zum Erzählen und zum Singen. Wunderbare und wertvolle Eltern-Kind Momente können entstehen.

 

7. Langweile ist ok

Sind wir ehrlich, für Kinder ist eine Autofahrt zumeist eine sehr langweilige Angelegenheit. Doch ist das schlimm?

In unserer Gesellschaft wird Langweile oft als etwas Negatives betrachtet. Das hängt damit zusammen, dass wir kaum noch Möglichkeiten finden, uns zu langweilen. Auch wir Erwachsenen greifen bei jeder Gelegenheit zum Smartphone, um kleine Pause zu überbrücken.

Dabei ist Langweile etwas wunderbares, denn die Zeit „ohne Inhalt“ steckt voller Möglichkeiten.

Langweile hilft uns Menschen dabei zur Ruhe zu kommen. Wenn wir nicht abgelenkt werden und ganz bei uns selbst sind, können neue und kreative Ideen entstehen.

Es ist wichtig, dass Kinder die Erfahrung sammeln dürfen, dass es auch Momente gibt, in denen nichts geschieht. Es ist vielmehr eine Chance, wenn dein Kind sich während der Fahrt auch mal langweilen darf. Dein Kind erhält dadurch einen Zugang zu sich selbst und seinen Bedürfnissen. Begleite dein Kind in diesem Prozess und benenne das Gefühl: „Ich sehe, du langweilst dich!“

Unterstütze dein Kind mit Impulsen, gebe aber gleichzeitig genug Raum, damit dein Kind eigenständig neue Ideen entwickeln kann:

„Hast du eine Idee, was du jetzt machen möchtest?“

 

 

8. Urlaubsträume

Der Urlaub ist zum Greifen nahe. Träumt euch gemeinsam, schon mal ein paar Stunden weiter. Wie wird es wohl am Urlaubsort aussehen? Auf was freut ihr euch am meisten? Welche Abenteuer warten auf euch?

Sich schöne Momente vorzustellen, schenkt dir ein gutes und positives Gefühl. Tauche ein in das Urlaubsfeeling und genieße, wie die Vorfreude immer weiter wächst.

Kinder können fantastisch visualisieren. Sie spüren diese inneren Bilder. Versucht es gemeinsam. Schalte den Kopf aus und träume dich in deinen Urlaub.

 

9. Wähle Gelassenheit

Zu guter Letzt ist es immer unsere innere Einstellung, wie wir mit Situationen umgehen. Kennst du diese Momente, in denen du dich ärgerst und ein anderer Mensch reagiert im selben Augenblick mit großer Gelassenheit? Wie kann das sein?

Die Antwort liegt in dir. Sie hängt mit deinen individuellen Erfahrungen zusammen, die du während deines Lebens gesammelt hast. Du kannst entscheiden wie du handeln möchtest. Nehme bewusst wahr, was um dich herum geschieht. Welche Gefühle löst es in dir aus? Atme einmal tief durch und gebe dir selbst die Erlaubnis, Ruhe und Gelassenheit in dein Leben einzuladen.

 

„Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“

(Aristoteles)

 
 
Wie ist es für Dich, mit Kindern in den Urlaub zu fahren? Ich freue mich, von deinen Erlebnissen in den Kommentaren zu lesen.
 
 
 
 
 

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