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Tschüss Perfektionismus

Du arbeitest an einem wichtigen Projekt. Immer und immer wieder, nimmst du Änderungen vor. Du blickst zufrieden auf deine Arbeit und stellst fest: Es ist gut, aber es ist nicht perfekt. Schließlich entscheidest du dich dafür, weiter zu machen.

Wir haben oft  sehr hohe Ansprüche an uns selbst. Wir möchten die perfekte Mutter sein, ein toller Arbeitnehmer oder den besten Kuchen, für den Kindergarten-Geburtstag abgeben.

So kommt es, dass wir uns in vielen Lebensbereichen, oft sehr stark unter Druck setzen. Das ist uns zumeist sogar bewusst, aber wir laufen immer wieder in die Perfektionsfalle hinein.

Doch wo kommt das her? Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Dazu scheint zu gehören, sich ständig zu überbieten. Es muss immer wieder eine Schippe drauf gesetzt werden. Ganz nach dem Motto: Was gestern noch gut war, reicht Morgen nicht mehr.

Das beginnt oft schon bei den kleinen Dingen des Lebens, wie z.B. wer den „schönsten“ Geburtstagskuchen backt. Ehe du dich versehen kannst, fühlst du dich wie in einen Sog gezogen und versuchst tapfer in der Menge mit zu schwimmen, damit du nicht untergehst. Das klingt nach Wettkampf und zumeist fühlt man sich nach solchen Aktionen auch, als wäre man gerade einen Marathon gelaufen.

Kindern sind solche  Denkansätze, zumeist noch fremd. Sie freuen sich einfach, dass es Kuchen gibt.  An dieser Stelle, dürfen wir von Kindern lernen und unser eigenes Handeln überdenken.

Denn ob wir perfektionistisch handeln möchten,  ist unsere Entscheidung. Wir legen selbst die Maßstäbe fest, an denen wir uns messen. Dabei hat das Streben nach Perfektion, immer auch etwas mit Kontrolle zu tun. Indem wir etwas besonders „gut“ machen, verleiht es uns den Eindruck, dass wir das Geschehnis kontrollieren können. Dabei verlieren wir schnell unsere Gelassenheit und erhalten stattdessen, ein Gefühl von Anstrengung.

Denn immer über 100% zu geben, macht uns irgendwann müde. Wir sind ausgelaugt, da wir nie vollends zufrieden sind. „Irgendetwas“ kann immer verbessert werden. Perfekt sein zu wollen, kostet viel Kraft. Wir muten uns eine Menge zu. Zum Teil gehen wir sogar über unsere Grenzen, um unsere Aufgaben, so gut wie möglich zu erfüllen.

Doch wie kann aus Perfektionismus, wieder Leichtigkeit werden?

 

Erlaube dir Fehler

Es ist immer eine Sache des Blickwinkels, wie wir Situationen bewerten.

Erleben wir es als „Katastrophe“, wenn ein Fehler geschieht oder sehen wir es als eine Chance, damit wir daraus lernen und uns weiter entwickeln können?

Übe dich in Gelassenheit und sei nicht zu streng mit dir. Ich möchte dir gerne eine Gedankenstütze anbieten, die dir dabei helfen kann, auf das Positive zu blicken.

Rufe dir dafür vor Augen, wie Kinder laufen lernen:

Kinder gehen voller Stolz ihre ersten Schritte, bis sie schließlich das Gleichgewicht verlieren und wieder hinfallen. Bemerkenswert ist, dass Kinder sich in solchen Momenten nicht ärgern, ganz im Gegenteil, sie lachen oft dabei. Sie blicken sich kurz um und stehen dann einfach wieder auf, als wäre nichts gewesen. Sie probieren erneut, ein paar Schritte weiter zu kommen. Würde das Kind sich in dieser Situation darüber ärgern, hingefallen zu sein, würde es in seiner Entwicklung feststecken. Denn Kinder empfinden „Fehler“ nicht als dramatisch, sondern als Gelegenheit zu lernen. Kleinkinder konzentrieren sich auf die Momente, die gut funktioniert haben.

Beeindruckend wie Kinder eine solche Situation handhaben, oder?

Hole dir dieses Bild gerne in Erinnerung, wenn du dich mal wieder über einen Fehler ärgerst. Das Beispiel zeigt, dass es „Fehler“ braucht, um sich entwickeln zu können. Würde das Kind nicht fallen, könnte es seinen Gleichgewichtssinn nicht trainieren. Zudem zeigen uns Kinder, dass es hilft, Situationen mit Humor und Gelassenheit zu betrachten. Nehmen wir die Schwere aus dem Moment, dann verlieren Fehler, schnell ihre Bedrohlichkeit

Wenn wir uns allerdings Fehler verbieten, verhalten wir uns wie in einem Tunnel. Unser Blick geht starr geradeaus, denn es scheint nur ein Ziel zu geben. Das perfekte, fehlerlose Ergebnis. Dabei kann es doch sehr interessant sein, auch mal nach links und rechts zu blicken. Denn wenn wir uns von unserem Tunnelblick lösen, erkennen wir, dass Fehler vollkommen in Ordnung sind und sich uns sogar neue Perspektiven zeigen können.

 

Was denken die Anderen?

Wäre da nur nicht immer die Frage: Was denken die anderen Menschen über mich?

Aber auch an dieser Stelle kann ich dich beruhigen. Denn diese Gedanken entstehen in unserem Kopf. Es sind unsere Ängste und Sorgen, die sich in diesem Augenblick zeigen. Denn wir wissen zumeist gar nicht, was die anderen Menschen wirklich denken.

Ich möchte Dir auch hierzu ein Beispiel nennen. Dieses Mal aus der Arbeitswelt:

Du sitzt in einem wichtigen Meeting und stellst eine Präsentation vor, in die du viel Mühe und Arbeit investiert hast. In dem Augenblick, in dem der Beamer deine Arbeit an die Wand projiziert, fällt dir plötzlich ein Rechtschreibfehler auf. Du fragst dich wie das passieren konnte und warum du diesen Fehler vorher nicht entdeckst hast. Du wirst nervös und fokussierst dich nur noch auf den Fehler. Was werden wohl die Kollegen denken, wenn sie den Tippfehler entdecken?

Wahrscheinlich, wird deinen Kollegen dieser Fehler gar nicht auffallen, da sie sich auf den Inhalt deiner Präsentation konzentrieren.

In solchen Momenten, machen wir uns also Gedanken über etwas, dass nur in unserer Vorstellung besteht. Denn wir können die Gedanken anderer Menschen nicht sehen.

Wir erschaffen uns praktisch ganz von selbst ein Konstrukt, in dem wir davon ausgehen, dass andere Menschen, es als negativ empfinden, wenn sie den Fehler entdecken. Und was würde passieren, wenn doch jemand diesen kleinen Fehler entdeckt? Vermutlich nichts….denn ein kleiner Tippfehler, schmälert in keinster Weise, die Qualität deiner Präsentation.

 

Erkenne deine Erfolge

Fokussiere dich also auf das, was gut läuft. Sei stolz auf dich und was du geschafft hast.

Sei mit dir und deinen Leistungen zufrieden. Klopfe dir auf die Schulter und sage dir selbst: „Gut gemacht!“

Die Schwierigkeit beim Perfektionismus ist, dass wir uns Anerkennung für unsere Leistung erhoffen. Wir wünschen uns eine positive Bewertung von anderen Menschen.

Natürlich schmeichelt es jeden von uns, wenn wir gelobt werden. Aber in erster Linie, geht es nicht darum, anderen Menschen zu gefallen. Viel bedeutsamer ist es, dass du dich in deinem tiefsten Inneren, zufrieden und glücklich fühlst.

Werde dir deiner Stärken bewusst. Denn jeder Mensch ist voller großartiger Fähigkeiten. Glaube an dich und erkenne dein wunderbares Potential.

 

 

Stärke deine Selbstwahrnehmung

Wenn wir unsere Gefühle und Bedürfnisse kennen, wirkt sich dies auf unser seelisches Wohlbefinden aus. Blicken wir achtsam und liebevoll auf uns, können wir erkennen, wenn uns etwas zu viel wird. Spüren wir, dass wir angespannt sind, können wir etwas dagegen unternehmen und die Bremse ziehen.

Achte auf deine persönlichen Grenzen. Akzeptiere, wenn dich etwas überfordert und nehme deine Erfolge wahr. Trete einen Schritt zurück und betrachte dein Werk mit etwas Abstand.

Aus einer Situation herauszugehen, kann uns dabei unterstützen, unseren Blick zu schärfen. Wenn du das Gefühl hast, dass deine Arbeit noch nicht „perfekt“ ist, dann bitte andere Menschen, um ihre Einschätzung und ganz wichtig, vertraue ihrem Urteil.

Löse dich von überzogenen Ansprüchen, die du an dich selbst stellst und bedenke, dass niemand perfekt ist. Das wäre ja auch langweilig, wenn immer alles glatt laufen würde.

Von daher, wertschätze was du machst, denn es ist gut.

Du bist gut, genauso wie du bist.

 

Wie erlebst du Perfektionismus in deinem Alltag? Begleitet dich das Thema eher in deinem Beruf oder in der Freizeit?

Teile in den Kommentaren gerne deine Erlebnisse, um andere Menschen zu unterstützen.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Liebe Petra, ein sehr schöner Beitrag!
    Um mir meiner Stäken & Erfolge immer wieder bewusst zu werden, schreibe ich jeden Abend mind. 5 Dinge in meine “Dankes- & Stolz-Liste”. Guter Weg weg vom Perfektionismus.
    Herzlich, Claudia

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